Textnachrichten im Drehbuch schreiben (mit Beispielen)
Vier gängige Wege für Textnachrichten im Drehbuch: Szenenbeschreibung, INSERT, Einblendung und Dialogblock, mit Beispielen und Tipps für den Dreh.
Für Textnachrichten gibt es im Drehbuchformat keine einheitliche offizielle Regel. Es gibt aber zwei Gewohnheiten, die jede Leserin und jeder Leser erwartet: Sei klar (wer die Seite liest, weiß, was im Bild erscheint und wer es geschickt hat) und sei konsequent (entscheide dich für eine Methode und nutze sie für jede Nachricht im Drehbuch).
Hier sind die vier Methoden, die du in verfilmten Drehbüchern am häufigsten siehst, jeweils mit Beispiel, und worauf du achten solltest, wenn die Szene gedreht wird.
1. In der Szenenbeschreibung
Am besten für eine einzelne Nachricht, die die Figur liest. Beschreib den Moment und gib dann die Nachricht selbst in Anführungszeichen, kursiv oder in Großbuchstaben wieder, je nachdem, was du sonst für Text im Bild verwendest.
INT. MAYAS WOHNUNG – NACHT
Mayas Handy leuchtet auf dem Sofa auf. Eine Nachricht von PAPA:
„Ruf an, wenn du gelandet bist. Hab dich lieb.“
Sie starrt darauf. Ruft nicht an.
Das ist die kürzeste Variante und hält das Lesetempo hoch. Nutze sie, wenn die Nachricht wichtig ist, das Schreiben selbst aber nicht.
2. INSERT: der Handybildschirm
Am besten, wenn das Publikum den Bildschirm selbst lesen muss: eine lange Nachricht, ein Foto, eine Lesebestätigung, einen Namen in der Kontaktliste. Ein INSERT ist ein Schnitt auf eine Nahaufnahme eines Details und dann zurück in die Szene. Der Begriff INSERT ist auch in deutschen Drehbüchern üblich.
Maya greift nach dem Handy.
INSERT – MAYAS HANDY
Eine Nachricht von UNBEKANNT: „schau mal raus“
ZURÜCK ZUR SZENE
Maya geht langsam zum Fenster.
Schreib ZURÜCK ZUR SZENE (oder englisch BACK TO SCENE), wenn du zurückkehrst. Jedes Insert kostet ein paar Zeilen, und in einem Drehbuch mit vielen Nachrichten summieren sie sich: Eine Seite entspricht ungefähr einer Minute Laufzeit, also verschwende keine halbe Seite auf eine Nachricht aus zwei Wörtern.
3. Einblendung im Bild
Am besten für längere Wortwechsel, oder wenn die Nachrichten neben der Schauspielerin im Bild schweben sollen, statt auf das Handy zu schneiden. Serien wie Sherlock und House of Cards haben diesen Stil bekannt gemacht. Sag es einmal deutlich und liste dann die Nachrichten auf:
Jonas tippt. Seine Nachrichten werden NEBEN IHM EINGEBLENDET:
JONAS (EINBLENDUNG)
bist du noch wach?
Kurze Pause. Die Antwort erscheint:
LILLY (EINBLENDUNG)
es ist 3 uhr jonas
Viele schreiben auch englisch ON SCREEN oder SUPER: (für superimposed, eingeblendet). Alles ist in Ordnung; bleib nur bei derselben Bezeichnung.
4. Dialogblöcke für ein Hin und Her
Am besten für ein ganzes Gespräch, bei dem der Rhythmus zählt. Formatiere jede Nachricht als Dialog mit einem Zusatz oder einer Regieanweisung in Klammern, die sagt, dass sie geschrieben ist, damit sie niemand als gesprochen liest:
MAYA (NACHRICHT)
Kommst du jetzt oder nicht?
JONAS (NACHRICHT)
Bin unterwegs. 10 Min.
Maya schaut auf die Uhr. 23:40.
MAYA (NACHRICHT)
Das hast du vor einer Stunde auch gesagt.
Diese Methode liest sich am meisten wie eine Szene, deshalb mögen Autorinnen und Autoren sie für lange Wortwechsel. Lass die Handlung zwischen den Nachrichten stehen: Das Publikum schaut auf Gesichter, nicht nur auf Wörter.
Gruppenchats und lange Gespräche
- Nenn jeden Absender, jedes Mal. In einem Gruppenchat ist ein fehlender Name ein verlorener Leser.
- Kürze radikal. Im Bild lesen Menschen langsam, und die Einstellung steht still, während sie lesen. Zwei oder drei Nachrichten sagen meist dasselbe wie zehn.
- Gib dem Publikum Zeit zum Lesen. Kurze Zeilen, ein Gedanke pro Nachricht.
- Versteck keine handlungsentscheidende Information in einer Nachricht, die nur kurz aufblitzt. Wenn das Publikum sie kennen muss, lass eine Figur darauf reagieren oder sie aussprechen.
Vom Drehbuch zum Bild
Sobald gedreht wird, muss jemand diese Nachrichten echt aussehen lassen. Ein echtes Handy zu filmen bringt echte Probleme mit sich: deine eigenen Benachrichtigungen, Spiegelungen, ein Bildschirm, der mitten im Take dunkler wird, und eine App, die nicht genau die Uhrzeit und den Namen zeigt, die du brauchst.
Viele Produktionen nehmen stattdessen eine vorbereitete Grafik. So eine Grafik kannst du mit Fake Text Maker erstellen:
- Für ein INSERT: Tipp die Nachrichten ein, stell Kontaktnamen, Uhrzeit, Akku und Lesebestätigungen ein und lade einen Screenshot im iPhone-Look als PNG in bis zu 3x herunter, im Format eines aktuellen iPhone-Bildschirms. Zeig ihn am Set auf einem Handy oder setz ihn im Schnitt ein.
- Für Einblendungen: Nutze den Export als Chat-Story-Video, ein MP4 in 1080 × 1920, in dem die Nachrichten nacheinander mit Tippblasen erscheinen, auf einem Greenscreen, den du in Premiere, DaVinci Resolve oder CapCut auskeyen kannst. Jedes Video endet mit einer 2 Sekunden langen Endkarte, die du abschneiden kannst.
Beides läuft im Browser, kostenlos und ohne Anmeldung. Wenn du den Film veröffentlichen willst, kläre mit deiner Produktion, wie du die Optik einer echten App im Bild zeigen darfst.
FAQ
Wie schreibt man einen Chatverlauf in ein Drehbuch?
Bei wenigen Nachrichten in die Szenenbeschreibung oder in ein INSERT des Handys. Bei einem echten Hin und Her nimmst du Dialogblöcke mit dem Zusatz (NACHRICHT) oder eine Bezeichnung wie EINBLENDUNG und schreibst bei jeder Nachricht den Namen dazu.
Setzt man Textnachrichten im Drehbuch kursiv?
Kann man, muss man aber nicht. Anführungszeichen, Kursivschrift oder Großbuchstaben funktionieren alle. Wichtig ist, dass du für jede Nachricht im Drehbuch denselben Stil nimmst.
Was bedeutet INSERT im Drehbuch?
Das ist eine Nahaufnahme eines Details, etwa eines Handybildschirms, eines Briefs oder eines Schilds, die in die Szene geschnitten wird. Danach schreibst du ZURÜCK ZUR SZENE.
Zählen Textnachrichten zur Seitenzahl?
Ja. Alles auf der Seite zählt mit. Deshalb solltest du lange Chatverläufe auf die Nachrichten kürzen, die die Geschichte braucht.